„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.“ – Arbeitsprogramm der Jusos Osnabrück-Stadt 2019

Die Jusos verstehen sich aus Überzeugung als sozialistischer, feministischer, antifaschistischer und internationaler Richtungsverband. Gleichzeitig sind sie die Jugendorganisation der SPD und stehen für sozialdemokratische Werte und die Umsetzung gelebter sozialer Gerechtigkeit ein.
Als Jugendverband linker Ausrichtung sieht sich der Juso-Verband Osnabrück-Stadt in der Verantwortung, die Interessen insbesondere junger Menschen unter den genannten Aspekten zu vertreten und ihre Themen in den Fokus des öffentlichen Diskurses zu rücken und so einen politischen Wandel in der Gesellschaft auszulösen.

Gegen jegliche Form von Diskriminierung und strukturelle Gewalt

Grundsätzlich richten wir Jusos uns gegen jede Form von Diskriminierung und Nationalismus und kämpfen für eine inklusive Gesellschaft, die nicht in nationalen Grenzen denkt. Wir sind uns der Gefahr für die Demokratie bewusst, die dem wachsenden Rechtspopulismus entspringt. Wir arbeiten inner- und außerhalb unserer Sitzung daran, uns diesem entschieden entgegenzustellen. Für das folgende Jahr legen wir dabei folgende Schwerpunkte:

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
Es ist unsere Aufgabe, die menschenverachtende Ideologie der Neuen Rechten, Identitären Bewegung und rechter Graswurzelbewegungen aufzudecken. Dieser müssen wir unser Verständnis einer sozialistischen, feministischen und internationalisitschen Welt entgegenhalten. Dazu werden wir uns in Seminaren Strategien zur Bekämpfung rechter Ideologien aneignen. Die politische Auseinandersetzung mit der AfD nimmt eine besondere Rolle ein. Daher werden wir zu diesem Thema eine Veranstaltung machen. Des Weiteren beschäftigen wir uns mit allen Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, wie z.B. Antisemitismus und Antiziganismus, und kämpfen aktiv gegen diese.

Diversity
Als Jusos sind wir uns unserer eigenen Verantwortung bewusst, Räume zu schaffen, die für möglichst alle Menschen zugänglich und erreichbar sind. Um diesem Ziel näherzukommen, fokussieren wir uns im kommenden Jahr auf die Umsetzung folgender Maßnahmen:

  • Einführung eines festen Awareness Teams
  • Alternativen zur „Kneipe nach der Mittwochssitzung“ schaffen
  • für Veranstaltungen barrierefreie Räume nutzen
  • auf eine möglichst diverse Besetzung unserer Mittwochsgäste achten
  • auf diskriminierungsfreie Sprache achten und die Grundlage dessen in unseren Seminaren und/oder Sitzungen thematisieren
  • Möglichkeit zur Reflektion und zum Umgang eigener Vorurteile und diskriminierenden Verhaltensweise bieten

Wir sind uns bewusst, dass der Anspruch, die Jusos als einen diskriminierungsfreien und zugänglichen Raum zu gestalten ein hoher ist, den wir aber bestrebt sind umzusetzen. Eine Grundvoraussetzung hierfür ist, dass wir Jusos untereinander uns auf blinde Flecken und problematische Verhaltensweisen hinweisen können. Die Durchbrechung von diskriminierenden Strukturen und Ausschlussmechanismen fordern wir auch gegenüber und innerhalb der SPD ein.

Europa

Die Stadt Osnabrück trägt die Bezeichnung Friedensstadt. Daraus leitet sich eine besondere Verantwortung für den Erhalt und Schaffung von Frieden und einem friedlichen Miteinander für uns Osnabrückerinnen und Osnabrücker ab. Die Europäische Union als Friedensprojekt und als Hoffnung auf ein tolerantes, demokratisches, freiheitliches, sicheres und gerechtes Zusammenleben fängt hier vor Ort an. Deswegen wollen wir uns in dem nächsten Jahr und im Hinblick der europäischen Parlamentswahlen 2018 besonders für ein solidarisches Europa einsetzen. Gerade als sozialdemokratische Europäerinnen und Europäer treten wir aktiv gegen nationalistisches, protektionistisches Verhalten und die Abschottung der Nationalstaaten ein. Wir wollen Europa mitgestalten, erleben und an einer gemeinsamen Zukunft mit allen europäischen Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern festhalten.

Feminismus

Als feministischer Richtungsverband arbeiten wir aktiv an feministischen Themen. Im kommenden Jahr wird eine Veranstaltung zu den Grundlagen des Feminismus stattfinden, um feministische Themen besser zu verstehen und in die Realität übertragen zu können. Darüber hinaus werden wir uns mit Frauen in der Arbeitswelt beschäftigen und werden frauenpolitische Akteur*innen besuchen.
Ein weiterer fester Bestandteil der feministischen Juso-Arbeit wird das Frauen*forum sein. Das Frauen*forum trifft sich regelmäßig und bietet Frauen* bei den Jusos einen geschützten Raum.

Finanzielle Belastungen

Grundsätzlich wollen wir daran festhalten, das Juso-Angebot weiterhin so kostengünstig wie möglich anzubieten. Menschen, die eine finanzielle Unterstützung für den Besuch von Veranstaltungen benötigen können sich weiterhin vertrauensvoll an die Verantwortlichen des Vorstandes wenden. Seminare sind in der Regel kostenfrei bzw. die Kosten werden erstattet.
Darüber hinaus setzen wir uns auch dafür ein, dass auch außerhalb der Jusos die finanziellen Belastungen für junge Menschen im Sinne der sozialen Gerechtigkeit verringert werden. In Anträgen und auf thematischen Sitzungen werden wir uns mit dem Thema beschäftigen und uns innerhalb der SPD dafür einsetzen.

Bildung

Zu einer modernen und zukunftsfähigen Gesellschaft gehört für uns auch ein Bildungssystem, welches für alle Menschen gleichermaßen die Grundlagen zur Teilhabe an eben jener Gesellschaft schafft. Hierbei stehen für uns die Gewährleistung einer kostenlosen Bildung von der Kita bis zum Berufs- bzw. Hochschulabschluss im Vordergrund. Daher ist eines unserer Anliegen die überfällige Abschaffung der Fahrtkosten von Schüler*innenbeförderung, welche nach wie vor einer Chancengleichheit in der Bildung im Wege stehen.
Des Weiteren ist eine zukunftsfähige und zukunftsgestaltende Bildung für uns von größter Wichtigkeit, sodass wir uns auch für weitere Investitionen in die digitale Ausstattung der Schulen in Osnabrück einsetzen wollen und zwar gleichmäßig auf alle Schulen verteilt. Dafür müssen allerdings gerade auch die Lehrer*innen entsprechend geschult werden. Gleichzeitig setzten wir uns aber auch kritisch mit der Digitalisierung an Schulen auseinander und verlieren vor allem nicht, das Ziel aus den Augen, dass Geld in Bildung für alle Kinder oberste Priorität sein muss unterstützen dabei das Ziel, dass Bildung kostenlos sein muss.
Außerdem stehen wir einer Fortführung des bisherigen konfessionsgebundenen Religionsunterrichts kritisch gegenüber und plädieren hier für die Einführung eines konfessionslosen Religionsunterrichts, der die Schülerinnen und Schüler zur Förderung eines kulturellen Verständnisses für sämtliche Glaubensformen sensibilisiert.

Umwelt und Verkehr

Wir stehen in der Verantwortung, unsere Umwelt zu schützen. Nicht nur unsere Gesundheit hängt an intakten Ökosystemen, denn eine zerstörte Umwelt vertieft auch soziale Ungleichheit. Besonders die zunehmende Verschwendung von Lebensmitteln ist eine Tatsache, die wir nicht hinnehmen können. Deswegen werden wir uns thematisch mit Strategien gegen Lebensmittelverschwendung auseinandersetzen.
Ein wichtiger Faktor um die Umwelt weniger zu belasten, ist insbesondere in einer Stadt wie Osnabrück der Verkehr. Ein gut ausgebauter und bezahlbarer öffentlicher Nahverkehr ist einerseits unerlässlich um die Mobilität  junger, genauso wie älterer, Menschen zu gewährleisten und andererseits müssen Alternativen zum Autoverkehr aufgezeigt werden, um die Umwelt und die Qualität der Luft in Osnabrück nicht weiter zu belasten.
In den nächsten zwölf Monaten werden wir über die Möglichkeiten einer Preissenkung zur Beförderung junger Menschen aus Stadt und Land diskutieren sowie Ideen zur  Verbesserung der Anbindung und Ausbau sammeln. Des Weiteren unterstützen wir die Osnabrücker SPD in ihrem Bestreben den Neumarkt autofrei zu gestalten und mehr vorrangige Busspuren zu bauen, um einen zuverlässigen und schnellen Nahverkehr gewährleisten zu können.
Neben dem Bus und das Auto ist das Fahrrad ist ein wichtiges Verkehrsmittel für viele Osnabrücker*innen. Gleichzeitig stellen viele Kreuzungen, Straßenführungen und fehlende Fahrradwege eine Gefahr für Fahrradfahrer*innen dar. Die Jusos Osnabrück setzen sich für eine Verbesserung der Verkehrssicherheit und die Anlegung von neuen Radwegen und Radschnellwegen ein. Diese sollen Osnabrück zu einer fahrradfreundlicheren Stadt machen und gleichzeitig zur Entlastung des hohen Autoverkehrsaufkommens führen.
Des weiteren wollen wir uns thematisch mit Alternativen Energiequellen und insbesondere der Abkehr vom Kohlebau beschäftigen sowie uns mit der vegetarischen Lebensweise als mögliche Klimaschutzmaßnahme beschäftigen.

Kinder und Jugendpolitik

Wir als Jungsozialist*innen sollten uns gerade als Interessenverband der jungen Menschen in der SPD für Kinder und Jugendliche verstärkt politisch einsetzen. Deshalb wollen wir die JSAG als Arbeitsgemeinschaft für Schüler*innen, Auszubildende und FSJler*innen weiter erhalten und vorantreiben. Darüber hinaus planen wir einen Besuch des Jugendparlaments und werden diese als Gremium für Schüler*innen in Osnabrück unterstützen, um das Jugendparlament weiter zu stärken fordern wir Wahlen an allen Osnabrücker Schulen, damit das Jugendparlament für alle Osnabrücker Schüler*innen ins Blickfeld rückt. Jedoch müssen wir bei der Förderung von Jugendlichen in unserem eigenen Unterbezirk anfangen und werden deshalb unseren Juso UB Schüler*innen freundlicher gestalten und sowohl thematisch, als auch im Umgang auf Augenhöhe arbeiten und Schüli Themen mehr mit einbeziehen.

Kultur

Kultur ist zwar keine Pflichtaufgabe der Kommune, aber ein essentieller Bestandteil eines lebenswerten Lebens vor Ort. Daher setzen wir uns auf Landes- und Kommunalebene dafür ein, dass Kultur finanziell und ideell gefördert wird. Regionale Bands und junge Künstler*innen sollen in Osnabrück einen Raum zum Proben, aber auch zum zur Schau stellen ihrer Kunst bekommen. Daher setzen wir uns für nichtkommerzielle und günstige Kulturräume ein.

Arbeit & Wirtschaft

Als sozialistischer Richtungsverband gehören gerechte Bedingungen in Arbeit und Wirtschaft zu unseren Kernthemen. Hier stehen die Interessen insbesondere junger lohnabhängig Beschäftigter für uns im Mittelpunkt.
In einer sich durch die Digitalisierung immer schneller verändernden Arbeitswelt dürfen die Sorgen und Bedürfnisse der Arbeitnehmenden nicht in den Hintergrund rücken und müssen stets aufs Neue ins Zentrum der öffentlichen Debatte getragen werden. Hier sehen wir als Jusos weiterhin unsere Verantwortung.
Daher werden wir uns im kommenden Jahr weiter mit Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Arbeitnehmer*inneninteressen mit den Herausforderungen der Digitalisierung und der konventionellen Wirtschaft befassen und diese diskutieren. Hier stellen sich Fragen wie: Wie können durch flexible Arbeitszeitgestaltungen den Arbeitnehmer*innen Freiräume ermöglicht werden ohne dass die Entgrenzung der Arbeitszeit weiter Vorschub geleistet werden? Hier steht insbesondere im Fokus wie alte sozialdemokratische Regeln in eine neu zu gestaltende Arbeitswelt integriert werden können.
Zudem ist und bleibt die gerechte Bezahlung gerade bei Auszubildenden eine unserer zentralen Forderungen. Um in diesem Themenfeld die Diskussion auf einer breiten Basis führen zu können, werden wir Schulungen zu wirtschaftlichen Themen durchführen und eng mit unseren Partnern in den Gewerkschaften zusammenarbeiten.